Präambel
Unsere Erde ist ein von Gott geschaffener Lebensraum. Er ermöglicht eine unermessliche Vielfalt an Lebensformen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Wir staunen über diesen wunderbaren und geheimnisvollen Raum, in dem alles mit allem verwoben ist. Immer stärker erkennen wir aber auch die Verletzlichkeit des Lebens durch das menschliche Eingreifen in die Natur. Unser Glaube an den dreieinigen Gott ruft uns in die Verantwortung für die Schöpfung und ihre Bewahrung. Wir knüpfen dabei bewusst an den Konziliaren Prozess des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) an, der 1983 in Vancouver unter dem Motto Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung begann.
- (1) Gott sprach: Es werde Licht! (Genesis 1,3)
Leben ist ohne Energie nicht möglich. Gleichzeitig führt übermäßiger Energieverbrauch zur Aufheizung der Erdatmosphäre und bedroht das Leben weltweit. Unsere Kirchengemeinde verpflichtet sich in allen ihren Gebäuden zu einem sparsamen Energieverbrauch. Dazu werden die Verbräuche und Einstellungen regelmäßig notiert, verglichen und notwendige Änderungen im Verhalten und in technischen Einstellungen daraus abgeleitet und durchgeführt. Gebäudeverantwortliche und Benutzer*Innen werden entsprechend angewiesen und achten darauf. Außerdem werden sinnvolle technische Maßnahmen geprüft und ergriffen, um Energie einzusparen oder auch zu produzieren.
- (2) Gott sprach: Es werde ein Himmelsdach, das die Erde überspannt! (Gen 1,6-8)
Das Leben in einem Lebensraum unter einem gemeinsamen Himmel verlangt solidarisches und vor Gott, den Mitmenschen und den Mitgeschöpfen verantwortetes Handeln. Unsere Kirchengemeinde achtet beim Einkauf von Lebensmitteln, Büro-Materialien und Reinigungsmitteln auf eine öko-faire und soziale Beschaffung.
- (3) Gott sprach: Es sammle sich das Wasser. (Gen 1,9)
Wasserverschmutzung und Wassermangel gehören zu den gravierendsten Problemen unserer Erde.
Unsere Kirchengemeinde verpflichtet sich, sorgfältig mit Wasser umzugehen und darauf zu achten, dass möglichst wenige Schadstoffe in das Abwasser eingetragen werden. Dazu überprüft sie, welche Inhaltsstoffe verwendete Reinigungsmittel enthalten und kauft Produkte mit Öko-Label. Mit Spartasten wird der Wasserverbrauch reduziert.
- (4) Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen. (Gen 1,11)
Die Artenvielfalt der Pflanzen ist ein wunderbarer Reichtum unserer Erde.
Unsere Kirchengemeinde verpflichtet sich, auf den von ihr genutzten Flächen (z.B. im Kindergarten Arche Noah) die Artenvielfalt (Bio-Diversität) zu fördern und unerwünschtes Pflanzenwachstum (z.B. in den Ritzen rund um die Michaelskirche) ohne chemischen Mittel zu beseitigen.
- (5) Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht. (Gen 1,14) Der Wechsel von Tag und Nacht ist eine wichtige Konstante für Menschen, Tiere und Pflanzen.
Unsere Kirchengemeinde verpflichtet sich, die Beleuchtung ihrer Gebäude bei Nacht so zu reduzieren, dass z.B. Insekten und Fledermäuse nicht zu Schaden kommen (s. Gesetz der Landesregierung vom 23.07.2020). Unsere Kirchengemeinde verpflichtet sich, die Sonneneinstrahlung bestmöglich zu nutzen. Sie prüft, ob Gebäude-Dächer für eine Photovoltaik-Anlage in Frage kommen, und wird gegebenenfalls eine solche Anlage errichten. (z.B. Gemeindehaus am Leopoldsplatz, Michaelskirche, Kindergarten Arche Noah).
- (6) Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. (Gen 1,20)
Wo Leben wimmelt, kommt es zu vielfältigen Begegnungen, wo Tiefen ergründet und Höhen durchflogen werden kommt es zu wichtigen Erkenntnissen und weitem Blick.
Unsere Kirchengemeinde freut sich daran, vielfältige Begegnungsmöglichkeiten von Menschen zu schaffen und mit Menschen zu feiern. Bei Veranstaltungen und Festen vermeidet sie Einweg-Geschirr aus Plastik und reduziert Verpackungsmüll. Sie achtet den Kirchturm der Michaelskirche auch als Lebensraum für Fledermäuse und Vögel.
- (7) Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art. (Gen 1,24)
Jedes Tier hat ein Recht auf artgerechtes Leben. Massentierhaltung verhindert dies. Auf Fleisch basierende Nahrung hat im Vergleich zu pflanzenbasierter Nahrung einen deutlich höheren Bedarf an Flächen-, Energie- und Wasserverbrauch und trägt daher mehr zur Klimaerwärmung bei.
Unsere Kirchengemeinde verpflichtet sich, bei Essen im Rahmen von Gemeindeveranstaltungen immer auch vegetarische Gerichte anzubieten. Der Fleischverbrauch wird schrittweise reduziert. Wo Fleischprodukte angeboten werden, sollen diese aus regionaler und artgerechter Haltung stammen. Die verwendeten Lebensmittel sollen möglichst nachvollziehbar bio- und ökologisch zertifiziert sein.
- (8) Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei. (Gen 1,26)
Jeder Mensch hat als Ebenbild Gottes eine eigene, unverletzbare Würde. Mit der Weitergabe des Lebens hat der Mensch als Mann und als Frau Anteil am Schöpfungswerk Gottes.
Unsere Kirchengemeinde verpflichtet sich, bei allen ihren Entscheidungen den Lebensmöglichkeiten künftiger Generationen höchste Priorität einzuräumen. Darum unternimmt sie alle Anstrengungen, den Zielen zur Erreichung von Klimaneutralität unserer Landeskirche in Baden und der Stadt Eberbach gerecht zu werden. Sie dokumentiert ihre Umweltschutzaktivitäten und arbeitet stetig daran, diese zu verbessern. Ziele und Maßnahmen sollen mit allen Mitgliedern der Kirchengemeinde und der Öffentlichkeit aktiv kommuniziert werden. Selbstverständlich hält sie alle guten Ordnungen und rechtlichen Regelungen ein.
- (9) Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken. (Gen 2,3)
Leben hat ein Recht auf Ruhe und „Erbauung“ (Landesverfassung BW Art 3,1). Im dritten (andere Zählung: vierten) Gebot schenkt Gott Mensch und Tier das Recht auf einen arbeitsfreien Tag.
Unsere Kirchengemeinde feiert den siebten Tag als einen Tag der Ruhe, der Besinnung und des Lobes Gottes und lädt Menschen zum Gottesdienst ein.
In Gottvertrauen, Liebe und Hingabe liegt ein Glück, das über materielle Sicherheit hinaus reicht. Unser Festklammern an immer mehr und größerem und neuem Besitz, mit der dazugehörigen Angst vor Verlust, kann sich in der Erfahrung von Gottes Liebe entspannen. Wir lernen, das Glück einfacher und ursprünglicher zu erfahren. Dadurch können wir auch einschneidende Maßnahmen gemeinsam und hoffnungsvoll angehen.
Als christliche Gemeinde leben wir von dem Zuspruch und der Treue Gottes zu seinem Volk: „Ich schließe diesen Bund mit euch und mit allen Lebewesen bei euch. Er gilt für alle künftigen Generationen. Und dies ist das Zeichen, das an den Bund erinnern soll: Ich setze meinen Bogen in die Wolken. Er soll das Zeichen sein für den Bund zwischen mir und der Erde.“ (Gen 9,12-13)
- Der Evang. Kirchengemeinderat der Evang. Kirchengemeinde Eberbach -
- Eberbach, den 20. Januar 2022 -